Archiv: Ausstellungen

Videostills Alischa Diana Leutner

19. Oktober 2014 bis 16. November 2014

Alischa Diana Leutner

„Doubt that the sun doth move, ...“

Der Titel ist ein Zitat aus dem Drama „Hamlet“: „Doubt thou the stars are fire / Doubt that the sun doth move / Doubt truth to be a liar / But never doubt I love.“ („Zweifle du am Licht der Sterne, / Zweifle an der Sonnenbahn, / Zweifle Wahrheit an im Kerne, / Nur zweifle meine Lieb nicht an.“)

Zum Auftakt der Bochumer Shakespeare-Tage 2014 laden die drei Kunstvereine
Kunstverein Bochumer Kulturrat + Kunstverein Bochum + galerie januar
zu einem multimedialen performativen Shakespeareabend in der Rotunde:


Alischa Diana Leutner unternimmt den Versuch, Shakespeare in einer „experimentellen, modernen Bildübersetzung“ zu präsentieren. Eigens für die Bochumer Shakespeare-Tage 2014 entstand als Auftragswerk der drei Kunstvereine und des Kulturbüros der Stadt Bochum eine 30minütige Videocollage, bei der die Künstlerin von Zitaten einiger ausgewählter Shakespeare-Dramen ausgeht. Diese abgefilmten Textstellen bilden die Hintergrundfolie für kleine, im Greenscreen-Verfahren inszenierte Handlungsmomente, die sich auf bestimmte Zitate und exemplarische Shakespeare-Figuren beziehen, darunter Hamlet, Romeo und Julia.
Alischa Diana Leutner geht es dabei um eine auf bildnerischer, inhaltlicher und medialer Ebene freie künstlerische Übersetzung, die Elemente unserer Zeit aufgreift. Dies entspricht einer zentralen Komponente ihrer künstlerischen Arbeit: der Frage nach der sinnlichen Wahrnehmung. Was ist zu sehen? Welche Bedeutung hat es? Wie ist es im Medium Video installiert?

Die Künstlerin beschreibt die Herangehensweise an das Shakespeare-Projekt als „Spagat zwischen Videosequenzen, die eine bestimmte Stimmung vermitteln wollen, um eine Interpretation der Zitate zu verdeutlichen (Bildsymbole, Farben, Prisma, Perspektive, ...), und der videotechnischen Umsetzung, die ebenso ihre Bedeutung hat (Animation, Überlagerungen, Bewegung, ...).“ Sie reflektiert in ihren animierten Videosequenzen das ständige zeitgenössische Bemühen um eine aktuelle Interpretation der Originaltexte.

Leutner kombiniert textliche Hintergrundfolien mit Darstellern und alltäglichen Gegenständen und fügt diese Bildelemente zu symbolistischen Traumsequenzen. Eine rückwärts verspeiste Erdbeere ist die sinnliche Bildmetapher für das immer wieder neue Aufleben Shakespearscher Werke auf den weltweiten Theaterbühnen, während ein „Hamlet“ zitierender schemenhafter Totenschädel als tradiertes Memento mori die Vergänglichkeit anmahnt. Herumwirbelnde blaue Stühle imaginieren das Platz nehmen und sich positionieren, ein Tetrapack Milch und ein blauer Hoodi vermitteln so etwas wie Zeitgeist. Jemand, der mit einer Videokamera filmt, dient der Künstlerin als selbstreflektive Metaebene, und ein orangefarbener tragbarer Fernseher, der mal wie Hamlets Totenschädel in der Hand balanciert, mal wie ein Ghettoblaster auf der Schulter transportiert wird, verbildlicht ein Schlüsselzitat aus dem 2. Akt von „Wie es euch gefällt“: „All the world's a stage, and all the men and women merely players“ („Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler.“)

Andere archetypische Symbole sind Texturen wie Sterne, Wasser und Schnee. ein Spektralfarbenband repräsentiert die Vielfältigkeit der Farbe und des Lichts als Parameter der Bildenden Kunst sowie die Fülle des Lebens, wie Shakespeare es verbalisiert hat.

Gleich zu Beginn ihres Videos knüpft Alischa Diana Leutner einen Bezug zu Bochum als Shakspeare-Stadt. Und so erscheinen am Anfang des Videos eine Reihe markanter Gebäude der Bochumer Skyline...


Ort: Rotunde („Katholikentagsbahnhof“)
Konrad-Adenauer-Platz 3
44787 Bochum