Archiv: Ausstellungen

4. Mai 2014 bis 29. Juni 2014

Beyond the Wall

Gegenwärtige Strategien einer erweiterten Malerei

Kirstin Arndt (Düsseldorf), Kathrin Köster (Berlin), Gerhard Mantz (Berlin), Willi Otremba (Dortmund), Frank Piasta (Freiburg), Martina Schumacher (Berlin), Diana Sirianni (Berlin)

Die Ausstellung BEYOND THE WALL versammelt aktuelle Positionen, die immanentesten Sinne jeweils unterschiedliche Ansätze von Malerei jenseits des traditionellen Tafelbildes verfolgen. Hatten bereits die Avantgarden des vergangenen Jahrhunderts die Kategorien des (gemalten) Bildes grundsätzlich befragt und Malerei in den realen Raum hinein ausgedehnt, so steht für die Vertreter einer heutigen mittleren und jungen Künstlergeneration weniger das Überschreiten längst obsoleter Grenzlinien im Vordergrund. Ihre Intentionen zielen vielmehr auf das Ausdifferenzieren jener bildnerischen Möglichkeiten, die sich an den Schnittstellen von Fläche und Raum, aber auch von Farbe, Material und Medium ergeben.

Eröffnung: Sonntag, den 04.05.2014 um 16 Uhr
Es spricht: Reinhard Buskies

Finissage und Katalogpräsentation: 29.06.2014 um 16 Uhr

Die Einladung zur Ausstellung als PDF finden Sie hier.

Die Werke von Kirstin Arndt referieren oftmals auf Grundbestandteile des traditionellen Leinwandbildes, transformieren diese jedoch in eine eigenständige Dinghaftigkeit. An die Wand gelehnte Raster aus Dachlatten etwa erscheinen wie Keilrahmen zum Aufspannen von Malerleinwand, werden aber durch die Bemalung der Innenkanten selbst zu Farbträgern. Zugleich umrahmen sie den Blick in und durch ein offenes Bildfeld und erweisen sich damit nicht zuletzt als hintergründiger Kommentar auf die von Leon Battista Alberti einen neuzeitlichen Malereidiskurs eingebrachte Vorstellung des Bildes als finestra aperta.

Kathrin Köster untersucht in ihrem Werk Relationen von Bild und Raum indem sie die Konventionen einer wandparallelen Bildpräsentation weitgehend vermeidet. Statt dessen werden die bemalten Leinwände zwischen Glasscheiben gefasst und an die Wand gelehnt, an gestellartigen Konstruktionen im Raum positioniert oder objekthaft mit Sockeln verbunden. Mit der jeweils spezifischen Verortung der Bilder im Raum geht eine signifikante Verschiebung im Gegenüber von Bild und Betrachter einher, welche die gewohnte Frontalität des Bildes mitunter gänzlich unterläuft.

Die computergestützten Bildprogramme von Gerhard Mantz kombinieren ästhetische Modelle einer abstrakten Malerei mit den Formen und Verfahren digital generierter Bildwelten. Seine Arbeiten umreißen ein Feld von grundsätzlichen Fragestellungen nach der Relevanz künstlerischer Gestaltungsgesten in technisch dominierten Kontexten, nach Kategorien von Originalität und Simulation unter den veränderten Bedingungen einer gegenwärtigen Bildproduktion.

An der Schnittstelle von Fläche und Raum agieren die Arbeiten von Willi Otremba. Durch eine prinzipielle Abweichung der Formate von der strengen Geometrie des Rechtecks wie auch einer leichten Schrägstellung vor Wand erreichen die Bilder eine irritierende Polyvalenz, die in einer euklidisch aufgefassten Dichotomie von zweidimensionaler Flächigkeit und dreidimensionaler Räumlichkeit nicht aufgelöst werden kann.     

Frank Piasta vereinzelt in seinen neueren Silikonarbeiten gestalterische Gesten, in farbigem Silikon fixierte Spuren minimaler künstlerischer Aktionen zwischen kalkulierter Formung und formprägender Eigendynamik des Materials. Aus Hunderten solcher Silikonelemente bildet Piasta wiederum großflächige Bodenarbeiten, die durchaus als Fortsetzung einer farbmalerischen Konzeption verstanden werden können, in denen es aber zugleich zu einer gegenseitigen Durchdringung der Kategorien von Bild und Raum kommt.

Das Schaffen Martina Schumacher kann beschrieben werden als ein Weiterdenken von Malerei über hergebrachte Festlegungen von Material und Medium hinaus. Dabei geht es jedoch nicht nur um eine anlaytische medeinreflexive Auseinandersetzung, sondern um die weiterführende Frage, wie daraus wiederum neue visuelle Aussagepotentiale erschlossen werden können. In einer jüngeren Werkgruppe komponiert Schumacher farbige Kunststoffstreifen zu fragilen und zugleich hoch ästhetischen Gebilden, in denen Farbe eine vom Leinwandbild her nicht gekannte Leichtigkeit und Luzidität erlangt.

Diana Sirianni führt in ihren teils raumgreifenden Collagen einen auf Kohärenz zielenden Bildbegriff an seine Grenzen und darüber hinaus. Farbe, Klebefolie, Glas sowie Fragmente fotografischer Bilder werden dabei mit ihren jeweiligen piktoralen Spezifika zu Elementen von komplexen und höchst flüchtig anmutenden Zusammenordnungen als ungesicherte Netzwerke, die es im Prozess der Wahrnehmung stets aufs Neue herzustellenden und aufrecht zu halten gilt.

Ausstellungsraum

Haus Kemnade
An der Kemnade 10
45527 Hattingen
Tel. 02324 – 30268

Anfahrt:
A 43, Abfahrt Witten-Herbede, Richtung Hattingen

Bushaltestelle: Hattingen, Haus Kemnade [Linie CE31]

Öffnungszeiten:
Di. – So., 11 – 17 Uhr (Nov. - April)
Di. – So., 12 – 18 Uhr (Mai - Okt.)