Archiv: Ausstellungen

28. Februar bis 13. April 2014

Gudrun Kemsa

Queens - 3-Kanal-Videoproduktion

Im Rahmen von „Kunstvereinehochdrei“ setzen die drei Bochumer Kunstvereine ihr Kooperationsprojekt im Zentrum der Innenstadt auch im Jahre 2014 fort: Mit der 3-Kanal-Videoprojektion „Queens“ der Düsseldorfer Künstlerin Gudrun Kemsa (geb. 1961 in Datteln) wird die Rotunde des Alten Bochumer Hauptbahnhofs vom 28. Februar bis zum 13. April 2014 nach Einbruch der Dunkelheit mit bewegten Bildern neu bespielt.   

Die inzwischen national wie international renommierte Künstlerin, die an der Kunstakademie Düsseldorf bei Karl Bobek und David Rabinowitch studiert hat, dort 1989 zur Meisterschülerin ernannt worden ist und seit 2001 Professorin für „Bewegte Bilder und Fotografie“ an der Hochschule Niederrhein in Krefeld ist, hat seit den 90er Jahren ein ganz eigenes fotografisches und filmisches Werk entwickelt, welches sie für die spezifische Aufgabenstellung in der Rotunde empfohlen hat: Denn in beiden Medien richtet sich das  Interesse der Künstlerin bislang auf öffentliche, meist urbane Räume im Außenbereich von Metropolen wie Straßen, Plätze oder Parks, vor deren kulissenartigen Architekturen oder Naturelementen sich Menschen in ihrem mehr oder weniger zufälligen Nebeneinander bewegen.

Wer das reife Werk von Gudrun Kemsa kennt, den kann es daher kaum verwundern, dass auch die filmischen Bilder für die Rotunde in Bochum auf eine ihrer bereits vorhandenen Videoarbeiten zurückgreifen: Und zwar hat Gudrun Kemsa ein 2012 als 2-Kanal-Video realisiertes Werk in eine 3-Kanal-Filmprojektion umgewandelt und passgenau, d. h. ohne Lücken und über die gesamte Breite der panoramaartigen Projektionsfläche des halbrunden Fensterbandes der Rotunde hinweg so eingerichtet, dass es nun wie für diesen Ort gemacht erscheint, ja  vielleicht sogar erst hier zu seiner optimalen Entfaltung gelangt: Der knapp sieben minütige Loop zeigt in drei zeitlich versetzten und  sich ergänzenden dynamischen Projektionen die Bilder einer Kamera aus einem fahrenden Zug. An manchen Stellen verschmelzen zwei oder drei der Projektionen zu einem durchgehenden Bild, häufiger aber werden wechselnde Aspekte derselben Zugfahrt auseinander halten. Man sieht mehr oder weniger stereotype Bilder von Vorstadtlandschaften mit in Bewegung erfassten Immobilien, wie sie in vielen Großstadtregionen vorkommen. Bei längerer Betrachtung aber lassen sich die Bilder eindeutiger verorten, da die Kamera nacheinander auch zwei Bahnhöfe erfasst, auf deren Hinweisschildern „Astoria Boulevard“ bzw. „Broadway“ zu lesen ist. Es handelt sich bei „Queens“ demnach um die Wiedergabe eines kurzen Streckenabschnitts eines Zuges, welcher in New York vom titelgebenden Stadtteil im Osten Richtung Midtown Manhattan bis nach Coney Island im Süden fährt.    

In „Queens“ von Gudrun Kemsa sind es gerade die Bahnhofshalte, welche eine dem Alltag entsprechende Verlangsamung gegenüber der ansonsten - im Wortsinne – zügigen Bewegung der Filmbilder bewirken und ihrem „Drive“ einen sensibel kalkulierten Rhythmus verleihen: Gerade an den beiden Haltestellen ergeben sich Momente der Ruhe, wenn wartende Personen auf dem Bahnsteig, die in der eben noch schnellen Fahrt nur schemenhaft sichtbar waren, von anderen abgelöst werden, die mit abnehmender Geschwindigkeit deutlicher werden und zum Teil sogar zu stilllebenhafter Präsenz und bildmäßiger Klarheit gelangen. Und vielleicht sind es gerade solche bildhaften Momente, in denen einzelne Personen oder kleine Gruppen als raumkonstituierende Faktoren und als Verlebendigung der urbanen Bühne erscheinen, durch die Gudrun Kemsas Projektion am stärksten über das bloß Dokumentarische einer gefilmten Zugfahrt hinausgeht.

Dabei gewinnt die Projektion von „Queens“ in der Rotunde ihren besonderen Reiz aus dem spezifischen Bezug zum Raum der Vorführung: Denn die bewegten Bilder von einer Zugfahrt durch New York rufen in der Rotunde nicht nur ganz allgemein die ehemalige Funktion des Alten Bochumer Hauptbahnhofs als Verkehrsgebäude in Erinnerung, sondern sie koppeln den gefilmten Raum zugleich denkbar eng an den Raum, in dem der Film gezeigt wird: Denn wie sollte man sich angesichts von „Queens“ nicht zugleich des Städteraums rund um die Rotunde neu bewusst werden und bemerken, dass diese in der Höhe der Dachzone auf zwei Seiten von Bahnstrecken begleitet wird, nämlich links vom hohen Bahndamm der viel befahrenen Hauptstrecke zwischen Dortmund und Essen sowie rechts von einer aufgeständerten Nebenstrecke, auf denen zeitgleich zur Filmbetrachtung immer wieder Züge vorbeifahren, aus deren Fenstern die Passagiere grundsätzlich Ähnliches erblicken können, wie es uns Kemsas bewegte Bilder zeigen. Angesichts der 3-Kanal-Version von „Queens“ in der Rotunde können Gemeinsamkeiten zwischen dem gefilmten Raum und dem Raum des Filmes offensichtlich und zu einem Gegenstand des Bewusstseins werden, die ohne ihn vielleicht unbemerkt geblieben werden – ebenso aber selbstverständlich auch die Unterschiede, wie sie durch die Besonderheiten der beiden Kontinente von Amerika und Europa und nicht zuletzt durch das gefilmte starke Sonnenlicht mit seinen ausgeprägten Schattenbildungen im Gegensatz zum nächtlichen Dunkel und dem künstlichen Licht am Bermuda3eck bedingt sind. Wie auch immer man solche und auch weitere Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem gefilmten Raum und dem Raum des Filmes angesichts von Gudrun Kemsas „Queens“ bemerken wird, so kann jedenfalls kaum ein Zweifel darüber bestehen, dass dem Sehen der Projektion auf der Rotunde ein verändertes Sehen des alltäglichen Stadtraumes nachfolgt.
(c) Ulrich Fernkorn        
        


Das Kooperationsprojekt der drei Bochumer Kunstvereine wird
gefördert vom Kulturbüro der Stadt Bochum und der Rotunde      

   

Zur Eröffnung, am Freitag, den 28. Februar 2014 um 19.00 Uhr
laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

Einführende Worte: Ulrich Fernkorn